8 1/2 Frauen 4 / 5 Sterne Originaltitel: 8 1/2 Women In den letzten Jahren hatte sich der britische Regiealtmeister Peter Greenaway vor allem auf das Experiment mit hochauflösendem Vidematerial konzentriert. Er kam so seinen frühen Experimentalfilmwurzeln mitunter näher als seinen großen Filmerfolgen der 1980er Jahre. Von daher kam es einigermaßen überraschend, dass seine letzter Spielfilm 8 1/2 FRAUEN nicht nur vom Titel an Federico Fellinis Klassiker 8 1/2 anknüpfte, sondern auch filmisch wieder in Richtung von EIN Z UND ZWEI NULLEN oder DIE VERSCHWÖRUNG DER FRAUEN ging. Keine Bildebeneninszenierung, keine Videospielerien, sondern klar arrangiert Tableaus, wie man sie bei Greenaway einst schätzte. Nur die Kapitelunterteilungen warten mit Drehbucheinbeldungen auf, doch das mag als kleine metafilmische Reminiszenz gelten. Ansonsten ist 8 ½ FRAUEN aus dem Jahr 1999 ein lakonischer Film über Männerfantasien. Im Zentrum des Films stehen zwei Männer, Vater und Sohn: Philip Emmenthal, ein reicher, 55jähriger Geschäftsmann aus Genf, der bei einem Deal in Japan 8 ½ Pachinko-Spielhallen übernimmt, und Storey, der die Spielhallen vor Ort leitet. Nach dem plötzlichen Tod von Philips Frau schmieden die beiden Männer, durch Fellinis Film 8 1/2 inspiriert, einen bizarren Plan: Sie beschließen, in ihrem Genfer Herrenhaus ein Privatbordell mit 8 ½ Frauen einzurichten, die gängigen Stereotypen entsprechen: die Nonne, die Pferdenärrin, die Ewig-Schwangere, die fragile Porzellanpuppe, die Buchhalterin, die Hausangestellte im Stile Renoirs… Natürlich ist auch 8 1/2 FRAUEN kein klassisches Erzählkino. Die Struktur des Films gibt die Titel-Zahl 8 1/2 vor, der Film ist voll von offenen und versteckten Hinweisen auf die Kunst- und Filmgeschichte. Nacktheit ist vor allem bei der Inszenierung der Männer kein Tabu, die sexuellen Phantasien ereignen sich jedoch meist in den Dialogen, die einzelnen Zimmer der Villa bleiben dem Zuschauer meist verschlossen, was eine eigenartige Spannung aufbaut. Und tatsächlich geht es ja um (Männer)phantasien, nicht notwendiger weise um deren Erfüllung: wie sie sich formieren, wie sie beschworen werden und schließlich scheitern. In allen Fällen erweisen sich die Frauen als Dominant. Sie scheinen die gender-politics besser zu begreifen und umzusetzen als Vater und Sohn - einander ins fast symbiotischer inzestuöser Liebe zugetan. Aber Greenaway ist kein Tabubrecher, vielmehr spielt er mit der Grenzüberschreitung, bleibt auch hier britisch distinguiert. In der Tat, 8 1/2 FRAUEN ist ein Greenaway-Film der Spaß macht. Absolut medien präsentieren ihn in einer etwas körnigen Bildqualität, dafür aber mit einem umfangreichen Booklet mit aufschlussreichem Essay und als Gimmik bekommen wir noch Steckbriefe der 8 1/2 Frauen. Für Fans von Greenaway, des europäischen Kunstkinos sowie für Japanliebhaber ist diese DVD eine Anschaffung wert. Marcus Stiglegger |
|